Körperpsychotherapie, Körperarbeit und Trauma
„Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare“, wird Christian Morgenstern zugeschrieben. Körperliches und psychisches Erleben stehen in enger Verbindung. Doch was bedeutet das für Körperpsychotherapie und Körperarbeit – und welche Rolle spielt der Körper bei belastenden oder traumatischen Erfahrungen?
Das Gedächtnis unseres Körpers
An die ersten Lebensjahre können wir uns meist nicht bewusst erinnern. Dennoch können frühe Erfahrungen unser späteres Erleben beeinflussen.
In diesem Zusammenhang wird unter anderem vom impliziten Gedächtnis gesprochen. Es umfasst Formen des Erinnerns, die nicht unbedingt als bewusst abrufbare autobiografische Erinnerung zur Verfügung stehen. Erfahrungen können sich beispielsweise in vertrauten Reaktionsmustern, emotionalen Reaktionen oder körperlichen Empfindungen zeigen.
Für die Körperpsychotherapie ist dieser Zusammenhang besonders interessant: Nicht alles, was wir erlebt haben und was uns heute prägt, ist allein über bewusstes Erinnern und Nachdenken zugänglich.
Gefühle, Körperwahrnehmung und der Kontakt zu uns selbst
Erfahrungen prägen uns – angenehme ebenso wie belastende. Besonders frühe oder traumatische Erfahrungen können beeinflussen, wie wir später auf Stress, Nähe, Konflikte oder Unsicherheit reagieren.
Schutzreaktionen sind zunächst etwas Sinnvolles. Sie helfen uns, mit Situationen umzugehen, die in einem bestimmten Moment überwältigend oder nicht zu bewältigen sind. Manche dieser Reaktionsweisen können jedoch bestehen bleiben, obwohl die ursprüngliche Situation längst vorüber ist.
Das kann sich beispielsweise darin zeigen, dass wir uns von bestimmten Gefühlen entfernen, unsere eigenen Bedürfnisse oder Grenzen weniger deutlich wahrnehmen oder in bestimmten Situationen immer wieder ähnlich reagieren.
Körperarbeit und Körperpsychotherapie beziehen deshalb neben Gedanken und Gefühlen auch körperliche Wahrnehmungen und Reaktionen in den therapeutischen Prozess ein.
SKAN und Somatische Emotionale Integration® (SEI)
In meiner Arbeit verbinde ich die SKAN-Körperpsychotherapie mit Elementen der Somatischen Emotionalen Integration® (SEI) nach Dami Charf.
SKAN bezieht Atmung, Bewegung, Körperwahrnehmung und emotionalen Ausdruck unmittelbar in die therapeutische Arbeit ein. Dabei können Gefühle, innere Spannungen und Schutzmechanismen wahrnehmbarer werden, die im Alltag oder über das Gespräch allein manchmal nur schwer zugänglich sind.
SEI ergänzt meine Arbeit insbesondere im Hinblick auf Körperwahrnehmung, emotionale Selbstregulation und den achtsamen Umgang mit Schutzreaktionen.
Das therapeutische Gespräch ist dabei ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit. Körperliches Erleben und verbale Reflexion werden miteinander verbunden und können gemeinsam dazu beitragen, Erfahrungen besser zu verstehen und zu integrieren.
Körperpsychotherapie und traumatische Erfahrungen
Trauma betrifft nicht nur die bewusste Erinnerung an ein Ereignis. Belastende Erfahrungen können auch mit bestimmten emotionalen, körperlichen und zwischenmenschlichen Reaktionsmustern verbunden sein.
Deshalb kann es in der körperorientierten therapeutischen Arbeit sinnvoll sein, nicht ausschließlich danach zu fragen, was geschehen ist, sondern auch wahrzunehmen, wie der Mensch heute darauf reagiert: Welche körperlichen Empfindungen entstehen? Wann kommt es zu Anspannung oder Rückzug? Was geschieht bei Nähe, Konflikten oder Überforderung?
Dabei geht es nicht darum, belastende Erfahrungen möglichst schnell wiederzuerleben. Entscheidend ist vielmehr ein behutsames Vorgehen, das die individuellen Grenzen und Schutzreaktionen respektiert.
Körperwahrnehmung und Selbstregulation
Ein wichtiger Bestandteil der Körperarbeit ist die Wahrnehmung dessen, was im gegenwärtigen Moment geschieht.
Wie fühlt sich Anspannung an? Wann verändert sich die Atmung? Wo werden Grenzen spürbar? Welche Bewegungsimpulse entstehen? Und was unterstützt dabei, nach einer emotionalen Aktivierung wieder zur Ruhe zu kommen?
Eine differenziertere Körperwahrnehmung kann dabei helfen, eigene Reaktionen früher zu erkennen und neue Möglichkeiten im Umgang mit Gefühlen, Stress und zwischenmenschlichen Situationen zu entwickeln.
Körper und Psyche gemeinsam betrachten
Körperpsychotherapie betrachtet psychisches und körperliches Erleben nicht getrennt voneinander. Gefühle können körperlich spürbar sein, während körperliche Zustände wiederum beeinflussen können, wie wir fühlen und Situationen erleben.
In meiner therapeutischen Arbeit geht es deshalb nicht darum, den Körper anstelle des Gesprächs einzusetzen. Beides gehört zusammen.
SKAN-Körperarbeit, Elemente der Somatischen Emotionalen Integration® (SEI) und das therapeutische Gespräch bilden einen Rahmen, in dem körperliche, emotionale und biografische Erfahrungen wahrgenommen, verstanden und integriert werden können.
Ziel ist dabei nicht ein bestimmter Zustand, der erreicht werden muss. Vielmehr geht es darum, den Kontakt zu sich selbst zu vertiefen, eigene Gefühle und Grenzen deutlicher wahrzunehmen und mehr Möglichkeiten im Umgang mit sich selbst und anderen zu entwickeln.
Meine Praxis für Körperpsychotherapie und Körperarbeit befindet sich in Berlin-Kreuzberg.
